Sport
24.06.2011

"DTB-Mädels haben großes Potenzial"

Beim wichtigsten Tennisturnier der Welt steigt die Spannung. Lesen Sie in Boris Beckers erster Kolumne auf BB.tv, woran es bei den deutschen Herren hakt und was bei seinem 29. Mal in Wimbledon neu ist.

BB Aufschlag Wimbledon 2

Boris Becker demonstriert am ersten Wimbledon-Tag 2011 seinen Aufschlag beim Virtual Tennis © getty


Liebe Leser,

ich bin schon ewig dabei an der Church Road: 1983 das erste Mal als Spieler, dann als Experte und jetzt als Kommentator. Diese Aufgabe macht riesig Spaß und ist für mich die perfekte Möglichkeit, in Wimbledon weiterhin ganz nah dabei zu sein. Ich habe hier so viel erlebt, durfte großartige Erfahrungen machen, das kommt mir jetzt am Mikrophon zugute.

Die Wimbledon-Revolution in diesem Jahr? Es gibt nicht einen oder zwei Favoriten, es sind gleich vier Spieler, denen die Experten hier den Sieg zutrauen. Und weil keiner einen Tipp wagt,  habe ich mich mal auf alle Vier geeinigt.

Für genauere Prognosen muss ich den Montag abwarten. Da spielen Federer, Djokovic, Murray und Nadal ihre vierte Runde. Danach wird es klarer. Lokalmatador Murray steht zwar besonders im Fokus, hat das aber bisher sehr gut im Griff. Manche Spieler agieren unter Druck eben besser, der Schotte gehört eindeutig dazu. Murray konzentriert sich dann viel besser. Außerdem ist vieles von diesem medialen Druck künstlich. Nur, weil du häufiger in der Zeitung stehst, spürst du nicht wirklich mehr Nervosität auf dem Platz.

Bei den DTB-Profis zeigen die deutschen Mädels den Herren derzeit, wie man in Wimbledon gewinnt. Ich bin wirklich froh, dass wir zumindest bei den Damen wieder vorne mitspielen. Petkovic, Görges und Lisicki haben ganz klar das Potenzial für die zweite Woche.

Dass die Herren in Wimbledon schwächeln, liegt jedenfalls nicht an ihrer Spielstärke. Dass sie es draufhaben, hat man in Halle gesehen, wo Kohlschreiber und Petzschner im Finale standen und gute Leute schlagen konnten. Aber der Schritt nach Wimbledon ist nicht gelungen, irgendein Knopf wurde nicht gedrückt.

Das liegt meiner Meinung nach an der mentalen Einstellung. In Deutschland werden die Spieler natürlich hofiert, und das ist auch gut und richtig. Aber in Wimbledon sind sie dann einer unter hunderten. Auf Platz 18 zu spielen ist eben nicht ganz so motivierend wie auf dem Center Court in Halle, wo man auch noch seine eigene Umkleide hat.

Ihr Boris Becker

Boris Becker gewann im Laufe seiner Karriere 50 Turniere im Einzel und 15 Titel im Doppel. Zwölf Wochen stand er in der Weltrangliste ganz oben – und löste gemeinsam mit Steffi Graf einen wahren Tennis-Boom in Deutschland aus © getty

1985 wurde Becker bereits Juniorweltmeister und feierte seinen ersten Turniersieg in London, als er im Finale Johan Kriek mit 6:2 und 6:3 besiegte © getty

Seinen internationalen Durchbruch aber schaffte Becker drei Wochen später in Wimbledon… © getty

…als er sich bis ins Finale durchkämpfte und zur grenzenlosen Überraschung der Tenniswelt Kevin Curren in vier Sätzen mit 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4 besiegte © getty

A winner was born: Mit seinem Sieg stellte der erst 17-jährige Becker gleich drei Rekorde auf: Als erster ungesetzter Spieler, als erster Deutscher und als jüngster Sieger heimste er seinen ersten Grand-Slam-Titel ein © getty

Doch die bange Frage, die nicht nur Becker selbst, sondern auch die Tennisszene beschäftigte: War das nur eine Eintagsfliege? Ein One-Hit-Wonder? Ein Zufallstreffer? © getty

Mitnichten! Becker besiegt in Cincinnati Mats Wilander und in Chicago Ivan Lendl. Dann steht wieder das Rasenturnier in Wimbledon an: Im Finale trifft Becker erneut auf Lendl – und gewinnt seinen zweiten Grand-Slam-Titel (6:4, 6:3, 7:5) © getty

1987 liefert sich Becker mit John McEnroe (Bild) beim Daviscup-Spiel im amerikanischen Hartford ein wahres Marathon-Match. Nach sechs Stunden und 21 Minuten besiegte der deutsche Jungspund den Altmeister © getty

Ein Jahr später verliert Becker das Wimbledon-Finale gegen Stefan Edberg, gewinnt aber sieben Turniere, darunter den späteren Masters Cup. Auch der Davis Cup geht unter Beckers Führung zum ersten Mal an ein deutsches Team © getty

1989 schafft es Becker bei den French Open ins Halbfinale, gewinnt in Wimbledon und als bisher einziger Deutscher bei den US Open. Auch die Titelverteidigung beim Davis Cup klappt. Steffi Graf gewinnt zum zweiten Mal Wimbledon © getty

1990 wird Becker im Wimbledon-Finale von Stefan Edberg geschlagen, kann aber fünf Titel gewinnen, darunter das Stuttgart-Indoor-Turnier. Außerdem wird der 23-Jährige zum vierten Mal zum Sportler des Jahres gewählt © getty

In die Saison 1991 startet Becker mit seinem fünften Grand-Slam-Titel. Im Finale der Australian Open besiegt der Deutsche Ivan Lendl in vier Sätzen © getty

Einziger Wermutstropfen: Die French Open sind das einzige Grand-Slam-Turnier, das Becker nie gewinnen konnte. Auch 1991 scheitert er wie schon 1987 und 1989 im Halbfinale © getty

Aber er steht 1991 wieder im Wimbledon-Finale – diesmal wartet Michael Stich (r.). Und das Überraschende passiert: Becker verliert in drei Sätzen © getty

Ein Jahr später nehmen Becker und Stich als Doppel an den Olympischen Spielen in Barcelona teil – und gewinnen die Goldmedaille © getty

Auch den Masters Cup gewinnt Becker 1992 – und feiert am 22. November seinen 25. Geburtstag © getty

1994 gewinnt Becker die Turniere in Mailand, Los Angeles, New Haven und Stockholm © getty

1995 kämpft sich Becker erneut bis ins Wimbledon-Finale durch, doch scheitert er an Pete Sampras © getty

Der US-Amerikaner besiegt ihn in vier Sätzen mit 6:7, 6:2, 6:4 und 6:2 © getty

Doch der Liebe der Fans zu ihrem Boris tut das keinen Abbruch © getty

1996 gewinnt Becker die Australian Open zum zweiten Mal nach 1991… © getty

…und seine Fans… © getty

…liegen ihm zu Füßen © getty

1997 wird Boris Becker zum Teamchef der Davis-Cup-Mannschaft gewählt. Am 25. Juni 1999 verabschiedet er sich vom aktiven Sport. Eine große Karriere geht zuende… © getty




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