Beim wichtigsten Tennisturnier der Welt steigt die Spannung. Lesen Sie in Boris Beckers erster Kolumne auf BB.tv, woran es bei den deutschen Herren hakt und was bei seinem 29. Mal in Wimbledon neu ist.
ich bin schon ewig dabei an der Church Road: 1983 das erste Mal als Spieler, dann als Experte und jetzt als Kommentator. Diese Aufgabe macht riesig Spaß und ist für mich die perfekte Möglichkeit, in Wimbledon weiterhin ganz nah dabei zu sein. Ich habe hier so viel erlebt, durfte großartige Erfahrungen machen, das kommt mir jetzt am Mikrophon zugute.
Die Wimbledon-Revolution in diesem Jahr? Es gibt nicht einen oder zwei Favoriten, es sind gleich vier Spieler, denen die Experten hier den Sieg zutrauen. Und weil keiner einen Tipp wagt, habe ich mich mal auf alle Vier geeinigt.
Für genauere Prognosen muss ich den Montag abwarten. Da spielen Federer, Djokovic, Murray und Nadal ihre vierte Runde. Danach wird es klarer. Lokalmatador Murray steht zwar besonders im Fokus, hat das aber bisher sehr gut im Griff. Manche Spieler agieren unter Druck eben besser, der Schotte gehört eindeutig dazu. Murray konzentriert sich dann viel besser. Außerdem ist vieles von diesem medialen Druck künstlich. Nur, weil du häufiger in der Zeitung stehst, spürst du nicht wirklich mehr Nervosität auf dem Platz.
Bei den DTB-Profis zeigen die deutschen Mädels den Herren derzeit, wie man in Wimbledon gewinnt. Ich bin wirklich froh, dass wir zumindest bei den Damen wieder vorne mitspielen. Petkovic, Görges und Lisicki haben ganz klar das Potenzial für die zweite Woche.
Dass die Herren in Wimbledon schwächeln, liegt jedenfalls nicht an ihrer Spielstärke. Dass sie es draufhaben, hat man in Halle gesehen, wo Kohlschreiber und Petzschner im Finale standen und gute Leute schlagen konnten. Aber der Schritt nach Wimbledon ist nicht gelungen, irgendein Knopf wurde nicht gedrückt.
Das liegt meiner Meinung nach an der mentalen Einstellung. In Deutschland werden die Spieler natürlich hofiert, und das ist auch gut und richtig. Aber in Wimbledon sind sie dann einer unter hunderten. Auf Platz 18 zu spielen ist eben nicht ganz so motivierend wie auf dem Center Court in Halle, wo man auch noch seine eigene Umkleide hat.