Sport
20.06.2011

Wimbledon-Tipp: "Federer oder Murray"

Der dreifache Champion Boris Becker ist 2011 Wimbledon-Experte auf Sky und für die BBC. Titelverteidiger Rafael Nadal sieht er diesmal nicht ganz oben.

Boris-und-Roger

Boris Becker gratulierte via twitter: "Happy 30th birthday to Roger Federer!" © getty


Nur wenige Experten legen sich vor Wimbledon 2011 auf einen Favoriten im Herrentableau fest. Einig sind sich dennoch alle: Die Top vier werden erneut dominieren.

Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und Andy Murray werden beste, etwa gleich verteilte Chancen eingeräumt. Jeder andere, der dazwischenfunkt, wäre ein Sensationssieger.

Boris Becker lässt sich aber doch auf einen Tipp zugunsten von Roger Federer und Andy Murray ein: "Fed and Murray", twitterte der dreifache Wimbledonchampion, seien seine Favoriten auf den Sieg im Londoner Südwesten.

Becker: "Federer hat das beste Repertoire"

"Federer hat das beste Repertoire. Und auf Rasen ist er wie verwandelt", erklärt Becker in der "Welt". "Roger wird in diesem Jahr auch sehr aggressiv seine Chancen suchen."

Der Schweizer, der Wimbledon bereits in den Jahren 2003 bis 2007 sowie 2009 als Sieger verlassen konnte, erwartet jedoch 2011 ein ganz neues Center-Court-Feeling. "Es wird ein komisches Gefühl sein, in Wimbledon sozusagen in einer Halle zu spielen", so Federer, "das ist schon was Neues."

Center Court überdacht

Denn nach zwei nahezu regenlosen Jahren verheißen die Wetterprognosen in diesem Jahr nichts Gutes. Bereits am ersten Turniertag sorgte Regen für Verschiebungen und Ausfälle. So kommt das Dach (2009 fertiggestellt) wohl erstmals dauerhaft zum Einsatz.

Boris Becker, der den Center Court stets als "sein Wohnzimmer" bezeichnete, weiß: "Dieses Turnier ist das wichtigste und schönste überhaupt. Aber es kostet dich wahnsinnig viel Nerven. Regen und Regenpausen verändern den Charakter des Ganzen."

Wimbledon-Experte für Sky: "Becker wichtig wie Beckenbauer"

Becker wird beim ältesten Grand Slam als Experte für Sky tätig sein. An der Seite von Moderator Stefan Hempel analysiert der 43-Jährige die Spiele der vier Topfavoriten ebenso wie die Leistungen der DTB-Profis.

"Es freut mich, dass er uns zur Verfügung stehen wird – er ist so wichtig wie Beckenbauer für eine Fußballübertragung. Becker hat den Kontakt zur Tennis-Welt nie abbrechen lassen und ist deshalb eine Bereicherung für Sky", freut sich Kommentator Gerd Szepanski im Interview mit "quotenmeter.de" auf die Unterstützung.

Außerdem als Experten für den Bezahlsender am Start: Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen und Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner.

Becker kommentierte Nadals erste Runde

Auch für die BBC ist Becker in diesem Jahr wieder im Einsatz. Nachdem der sechsfache Grand-Slam-Champion am 5. Juni das French-Open-Finale zwischen Rafael Nadal und Roger Federer (7:5, 7:6, 5:7 und 6:1) für die Engländer kommentiert hatte, saß Becker am ersten Tag der Championships in Wimbledon erneut am BBC-Mikrofon.

Becker analysierte das Erstrunden-Match des Titelverteidigers Nadal gegen den US-amerikanischen Außenseiter Michael Russell.

Der Spanier tat sich beim letztlich souveränen 6:4, 6:2, 6:2-Erfolg lediglich im ersten Satz schwer, als er zwischenzeitlich mit 2:4 in Rückstand geriet. Für den Favoritentipp des Experten Becker reicht es für den nur noch knapp Führenden der Weltrangliste diesmal trotzdem nicht.

Boris Becker gewann im Laufe seiner Karriere 50 Turniere im Einzel und 15 Titel im Doppel. Zwölf Wochen stand er in der Weltrangliste ganz oben – und löste gemeinsam mit Steffi Graf einen wahren Tennis-Boom in Deutschland aus © getty

1985 wurde Becker bereits Juniorweltmeister und feierte seinen ersten Turniersieg in London, als er im Finale Johan Kriek mit 6:2 und 6:3 besiegte © getty

Seinen internationalen Durchbruch aber schaffte Becker drei Wochen später in Wimbledon… © getty

…als er sich bis ins Finale durchkämpfte und zur grenzenlosen Überraschung der Tenniswelt Kevin Curren in vier Sätzen mit 6:3, 6:7, 7:6 und 6:4 besiegte © getty

A winner was born: Mit seinem Sieg stellte der erst 17-jährige Becker gleich drei Rekorde auf: Als erster ungesetzter Spieler, als erster Deutscher und als jüngster Sieger heimste er seinen ersten Grand-Slam-Titel ein © getty

Doch die bange Frage, die nicht nur Becker selbst, sondern auch die Tennisszene beschäftigte: War das nur eine Eintagsfliege? Ein One-Hit-Wonder? Ein Zufallstreffer? © getty

Mitnichten! Becker besiegt in Cincinnati Mats Wilander und in Chicago Ivan Lendl. Dann steht wieder das Rasenturnier in Wimbledon an: Im Finale trifft Becker erneut auf Lendl – und gewinnt seinen zweiten Grand-Slam-Titel (6:4, 6:3, 7:5) © getty

1987 liefert sich Becker mit John McEnroe (Bild) beim Daviscup-Spiel im amerikanischen Hartford ein wahres Marathon-Match. Nach sechs Stunden und 21 Minuten besiegte der deutsche Jungspund den Altmeister © getty

Ein Jahr später verliert Becker das Wimbledon-Finale gegen Stefan Edberg, gewinnt aber sieben Turniere, darunter den späteren Masters Cup. Auch der Davis Cup geht unter Beckers Führung zum ersten Mal an ein deutsches Team © getty

1989 schafft es Becker bei den French Open ins Halbfinale, gewinnt in Wimbledon und als bisher einziger Deutscher bei den US Open. Auch die Titelverteidigung beim Davis Cup klappt. Steffi Graf gewinnt zum zweiten Mal Wimbledon © getty

1990 wird Becker im Wimbledon-Finale von Stefan Edberg geschlagen, kann aber fünf Titel gewinnen, darunter das Stuttgart-Indoor-Turnier. Außerdem wird der 23-Jährige zum vierten Mal zum Sportler des Jahres gewählt © getty

In die Saison 1991 startet Becker mit seinem fünften Grand-Slam-Titel. Im Finale der Australian Open besiegt der Deutsche Ivan Lendl in vier Sätzen © getty

Einziger Wermutstropfen: Die French Open sind das einzige Grand-Slam-Turnier, das Becker nie gewinnen konnte. Auch 1991 scheitert er wie schon 1987 und 1989 im Halbfinale © getty

Aber er steht 1991 wieder im Wimbledon-Finale – diesmal wartet Michael Stich (r.). Und das Überraschende passiert: Becker verliert in drei Sätzen © getty

Ein Jahr später nehmen Becker und Stich als Doppel an den Olympischen Spielen in Barcelona teil – und gewinnen die Goldmedaille © getty

Auch den Masters Cup gewinnt Becker 1992 – und feiert am 22. November seinen 25. Geburtstag © getty

1994 gewinnt Becker die Turniere in Mailand, Los Angeles, New Haven und Stockholm © getty

1995 kämpft sich Becker erneut bis ins Wimbledon-Finale durch, doch scheitert er an Pete Sampras © getty

Der US-Amerikaner besiegt ihn in vier Sätzen mit 6:7, 6:2, 6:4 und 6:2 © getty

Doch der Liebe der Fans zu ihrem Boris tut das keinen Abbruch © getty

1996 gewinnt Becker die Australian Open zum zweiten Mal nach 1991… © getty

…und seine Fans… © getty

…liegen ihm zu Füßen © getty

1997 wird Boris Becker zum Teamchef der Davis-Cup-Mannschaft gewählt. Am 25. Juni 1999 verabschiedet er sich vom aktiven Sport. Eine große Karriere geht zuende… © getty



Verwandte Themen: